Autoreninterview: Tina Skupin

Autoreninterview: Tina Skupin

Wie ist die Idee zu deinem aktuellen
Buch „Die super Mamas“ entstanden?
Der Gedanke kam mir während meiner
eigenen Schwangerschaft. Ich suchte nach Vorbildern, nach einem „was
für eine Mutter möchte ich sein?“ Und ich fand so wenig. Mütter
werden eher als bedauernswerte heulende Opfer dargestellt, oder
alternativ als über allen schwebende, in sich ruhende Göttinnen.
Ich war weder- noch. Ich entwickelte eine abartige Sucht nach Äpfeln,
aber abgesehen davon war ich immer noch Tina, hatte den gleichen
Musikgeschmack, die gleichen Freunde, die gleichen Vorlieben.
Seltsamerweise fand ich mich noch am
ehesten in Comics wieder, in Superheldencomics: ihr Körper verändert
sich über Nacht, sie bekommen neue Fähigkeiten. Und das war die
Idee hinter den Supermamas: Mütter, die durch die Schwangerschaft
und Geburt zu Superhelden werden.
Wenn ich ehrlich bin, habe ich die
Supermamas für mich selbst geschrieben (ich wußte bis zur
Veröffentlichung nicht, ob irgendwer das Buch mögen würde). Ich
packte alles rein, was ich in einem Buch selbst lesen wollte:
Superkräfte, Mütter, die sich gegenseitig unterstützen anstatt
einander fertigzumachen, einen brutalen Pinguin, einen verrückten
Wissenschaftler, plus meine höchstpersönliche Abrechnung mit
idiotischen Ratschlägen („in der Sauna wird das Kind gekocht“),
dem Tragetuch (meine Nemesis) und den Stinkewindeln des Todes.
Hast du die Charaktere aus deinem
aktuellen Roman frei erfunden oder dich durch dein Umfeld inspirieren
lassen?
Alle meine Buchcharaktere sind
erfunden, aber ich nutze Inspirationen, die ich dann
weiterentwickele. Beispiel Supermamas: Jenny ist inspiriert von Abby
aus NCIS (Putin war ursprünglich das pupsende Plüschnilpferd). Aber
dann kommen weitere Einflüsse dazu. Jenny wuchs in Berlin auf, ist
Informatikerin, hat eine Schwester. Davon wird der Charakter weiter
geprägt, bis er was ganz Eigenes geworden ist.
Du bist ein Teil der Märchenspinnerei.
Was bedeutet dir die Märchenspinnerei?
Ich finde die Märchenspinnerei
fabelhaft, unsere Gemeinschaft, noch mehr aber unsere „Mission“.
Märchen sind an der Wurzel unserer
Kultur, sie erklären uns, wie die Welt „funktioniert“, deswegen
sind sie so erfolgreich und werden heute noch erzählt. Die
Märchenspinner wollen diese Geschichten in die moderne Welt
übertragen, aktuelle Probleme bearbeiten. Und gleichzeitig gute
Geschichten erzählen. Und ich finde, das ist uns gelungen, wir haben
solche Themen wie Mobbing (Axolotlkönig), Flüchtlingsprobleme
(Meerschaum) oder Drogensucht (Kein Schnee im Hexenhaus) in unseren
Geschichten.
Du hast in der Märchenspinnerei das
Buch „Hollerbrunn“ veröffentlicht. Wieso hast du dich gerade für
dieses Märchen entschieden?
Mich interessieren in meinen
Geschichten Beziehungen in allen ihren Variationen: Beziehungen
zwischen Familienmitgliedern, zwischen Geschwistern, zwischen
Liebenden, zwischen Feinden, zwischen Verbündeten (auch in den
Supermamas geht es ja um Beziehungen zwischen Müttern, die sich
gegenseitig unterstützen), und in Frau Holle gab es zwei
Konstellationen von Verbindungen, die mich gefesselt haben: zum einen
die Beziehung zwischen Goldmarie und Pechmarie. Die Pechmarie wird
als Faule, Dumme dargestellt. Die Goldmarie ist die Fleißige, Tolle,
die alles richtig macht. Wirklich? Wer legt sowas fest? Ich wollte
aus den Beiden richtige Personen machen, mit einer richtigen
Familiendynamik.
Die zweite Konstellation von
Verbindungen ist zwischen Frau Holle und ihren Dienern. Das hat mich
als Kind schon wahnsinnig gemacht! Da ist ein sprechender Backofen.
Wer ist der? Wo kommt der her? War der in einer Schule? Haben
sprechende Backöfen Freunde? Bekommen die Kinder? Und wie kam der
Backofen und der Apfelbaum zu Frau Holle? Sind die freiwillig da?
Sind das Sklaven? Und schließlich- zu was macht das Frau Holle?
Arbeitest du gerade an weiteren
Projekten?
 
Ich sitze grad am Lektorat zu meinem
Verlagsdebüt „Valkyrie“, das nächstes Jahr erscheint, und ich
kann es nicht erwarten, das Buch mit euch zu teilen! Valkyrie ist
mein Magnus Opus, mein Herzensprojekt, eine Urban Fantasy-Reihe
angesiedelt im modernen Stockholm und basierend auf der nordischen
Mythologie. Ich habe eine Badass Walküre, haufenweise nordische
Sagenwesen wie Näckar, Trolle und Skogsra. Und Loki. Oh mein Gott,
Loki…
Wo Schreibst du am liebsten? 
 
Ich schreibe am liebsten in Cafes oder
in der Bibliothek. Am besten so, dass ich das Wlan ausschalte und
mich nur auf mein Buch konzentriere. Dazu einen Kaffee auf
Stockholmer Art (Latte mit Karamelsirup und bestreut mit Zimt und
Kardammon), und schon purzeln die Wörter!
Dein Schreibstil ist etwas speziell,
aber dafür sehr einzigartig. Wie bist du auf die Idee gekommen
Autorin zu werden?
Vielen Dank. Das nehme ich als
Kompliment. Ich habe immer Geschichten erzählt. Dann habe ich beim
Nanowrimo mitgemacht und gemerkt, dass das mein Ding ist. Das ist
das, was ich jeden Tag machen möchte, bis sie mich in die Erde
packen. Geschichten erzählen, Welten erfinden! Ich meine, ich freu
mich drauf, wenn endlich wieder Montagmorgen ist und ich an den
Schreibtisch darf. Wie genial ist das?
Welches Genre liest du selbst überhaupt
nicht und warum?
Horror. Ich werde sehr leicht
getriggert, und die wenigsten Geschichten sind es wert, eine Woche
lang nicht schlafen zu können.
Hast du dir schon mal etwas gewünscht,
als du eine Sternschnuppe gesehen hast? Und ist es in Erfüllung
gegangen?
Ja. 😉
Hast du ein persönliches Motto?
Mein Motto stammt von
Mitmärchenspinnerin Sylvia Rieß: „Die Welt ist schwer genug, da
kann man sie auch mit ein bisschen Coolness, Punk und Humor angehen.“
 
Reist du gerne? Wenn ja, wohin möchtest
du unbedingt und wieso?
Ich liebe es zu reisen und hab das
leider noch viel zu wenig gemacht. Man denkt ja, was man kennt ist
das einzig Richtige, bis man woanders hinkommt, und sieht, dass
Sachen woanders ganz anders gemacht werden. Und trotzdem sind
Menschen überall Menschen und wir teilen so viel miteinander (da
wären wir wieder bei Beziehungen).
Ich möchte unbedingt mal nach
Barcelona. Ich liebe Spanien, war schon so oft da, aber noch nie in
Barca. Die Stadt scheint einfach alles zu haben: Kreativität,
Offenheit, und ein tolles Nachtleben.
Wandern oder Rad fahren?
Wandern
Weihnachten oder lieber Ostern?
Weihnachten
Apfel oder Banane?
Apfel
Katze oder Hund?
Hund
Sommer oder Winter?
Sommer
 
… wenn du ein Jahr lang Urlaub
hättest?
Würde ich mit meiner Familie um die
Welt reisen. Es gibt so viele Plätze an denen ich noch nicht gewesen
bin. Australien, San Francisco, Barcelona, Island, England…
… wenn du plötzlich mit Tieren reden
könntest?
Würde ich Moskitos zu meiner
persönlichen Überwachungsarmee machen.
… wenn du eine Wunderlampe findest
und der Flaschengeist dir drei Wünsche erfüllt?
Ich hätte gern Gerechtigkeit,
Freundlichkeit und Weltfrieden. Aber das kann uns kein Flaschengeist
geben, da müssen wir selbst für sorgen….
alternativ:
Eine Eigentumswohnung in Stockholm
(unbezahlbar)
Eine Beameinheit aus Star Trek, damit
ich, ohne ins Flugzeug zu müssen, überall hinreisen kann
Ein Abendessen mit Tom Hiddleston,
Amada Palmer, Neil Gaiman und Seanan McGuire.

 

©
Cover und Fotos: Tina Skupin
Schriftzüge: Photoshop// Stefanie Wirtz    
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14 Kommentare

  1. Oh ich liebe es ja mehr über ein Buch zu erfahren, wie es entstanden ist, welche Motive dahinter steckten etc. Die Figurenvorbilder fand ich hier vor allem spannend! Gern weitere Interviews 🙂

  2. Guten Abend.
    Oh ein Interview, gefällt mir sehr gut. Ich mag es etwas über die Person hinter dem Buch zu erfahren. Das ist für gelungen. Toll!

    Liebste Grüße,
    Sandra.

  3. Daa klingt ja spannend – azch die Spannweite ihrer Bücher. Ich kannte die Autorin noch gar nicht. Wie habt ihr zueinander gefunden?

  4. Hallo Steffi, ganz tolles und interessantes Interview! Ich schau mir das neue Buch der Autorin gleich mal genauer an, das wäre aber auch was für mich! Ich kannte Buch und Autorin bisher nicht und freu mich wieder jemand neues kennengelernt zu haben <3 Sehr sympathische Person! Liebe Grüße und ein schönes Wochenende <3

  5. Das klingt ja toll 😀 ich habe weder von Buch noch Autorin gehört, aber glaube Blut geleckt zu haben!

  6. Hi
    Deine Art des Interviews finde ich interessant, ich gestalte das immer etwas anders. Aber genau das finde ich toll. Jede hat ihren Stil.
    Ich kenne deine Autorin noch nicht und danke dir für die Vorstellung.
    Gruß Nicole

  7. Nach dem Interview kann ich mir die Supermamas bildlich vorstellen 🙂 Reichlich überzogen alles, aber nur so kann man die erste Zeit als Mutter auch wirklich überleben. Und das die meisten Personen frei erfunden sind……..nach 15 Jahren als Mutter kann ich sagen, dass in jedem Supermarkt, Kindergarten, Schule mehr Mutterklischees rumrennen als man rein in einem Buch verarbeiten kann 🙂

  8. Ein sehr schönes und interessantes Interview! Ich habe mich in einigen Antworten selbst gesehen … alleine schon das Märchen von Frau Holle. Hab mich als Kind auch gefragt, wieso der Backofen und das Kissen sprechen können … und als ich es meinen Kindern erzählt habe, ist mir gewusste geworden, dass es in dem Märchen auch um Vorurteile und Schubladen geht. Die Goldmarie ist hübsch und fleißig, die Pechmarie hässlich und faul usw.

    Danke dir für die Vorstellung der Autorin!
    Liebste Grüße
    Verena von http://www.avaganza.com

  9. Ein sympathisches Interview – ich freue mich auf dieses neue Buchprojekt – und mit Neil Gaiman würde ich tatsächlich auch gern mal Abendessen.

  10. Oh da bin ich das Gegenteil der Autorin 🙂 denn ich lese sehr gerne Horror Bücher 😀 Bzw auch Thriller.

  11. Ein sehr schönes Interview hast du da gemacht. Man merkt, dass du dir viel Gedanken zu den Fragen gemacht hast, die du stellst. Tatsächlich habe ich noch nichts von dem aktuellen Buch gehört, aber es klingt echt witzig. Darum werde ich mir die Super Mamas bestimmt bald selbst mal holen und lesen. Denn Tina hat vollkommen Recht, wir sind einfach alle Supermamas, jede auf ihre Weise und deshalb sollten wir uns gegenseitig unterstützen und nicht fertig machen. Und jede Menge Humor tut in jeder Lebenslage gut.
    Lg Sabine

  12. wieder ein spannendes Interview über die Autorin! es ist ja schon immer sehr interessant, was einen Menschen dazu bewegt hat ein Buch zu schreiben … ich glaube ähnlich wie Tina Skupin es ging, würde auch meine Mutter viel Inputt in ein Buch legen. nur dass sie gar nicht gut schreiben kann 😉

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von http://www.liebewasist.com

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